Freitag, 17. September 2010

Von roten Haaren, Krawatten und irischem Akzent.

Ja, ich lebe noch. Ich habe jetzt endlich, endlich, endlich Internet! Nach 3 quälend langen Wochen, in denen ich nur in der Unibibliothek mal meine Mails abrufen konnte. Bloggen wollte ich da dann nicht, zumal ich ja nichtmal ü, ä oder ö gehabt hätte!

Falls jemand von euch auf Männer in Anzügen stehen sollte - kommt nach Irland und geht ins Krankenhaus. Anzughose, feine Schuhe, Hemd und Krawatte ist die Pflichtkleidung für die Herren der Schöpfung, die Damen tragen Kleidung, die schick aussieht. Sprich: Ich war absolut underdressed, musste neue Kleidung kaufen und trage nun schwarze Jeans, Blusen oder schlichte Shirts mit Cardigan. Und bin weiterhin underdressed, aber was solls, so reichts aus.
Bei manchen Herren hingegen sieht es wunderbar aus, wenn sie in der Bibliothek sitzen, ihre Krawatte gelockert haben und sich die Haare raufen - ja, ich weiß, andere sehen eher aus wie von Mama angezogen.

Kommen wir zu den roten Haaren. Ich habe es eigentlich immer für ein Gerücht gehalten, dass "die Iren rothaarig sind und Sommersprossen haben" - aber, um Gottes Willen, sie sind es! Ich habe noch nie so viele rothaarige Menschen auf einem Fleck gesehen. Ständig laufen einem Rothaarige über den Weg - manche nur leicht rötlich, manche wirklich, wirklich, wirklich rot.
Aber süß sind sie. Nicht wirklich das, was ich unter super attraktiv verstehen würde, aber sehr süß. Und wer würde nicht am Liebsten in Jubelschreie ausbrechen, wenn ein rothaariger Ire zu einem sagt "We will make you feel like home here."?! Ich zumindest musste mich stark zurückhalten. Der Accent ist schlicht und einfach hinreißend. "bot", "fonny", und diese irischen Namen!
Ich seht schon, die Iren haben mich fest in ihrer Hand. Ich bin willens, den irischen Akzent zu adaptieren, in fonny und bot habe ich das bereits hinter mich gebracht.

Ursprünglich sah mein Plan für den Aufenthalt hier ja folgendes vor: Herkommen, versuchen ein paar "Einheimische" kennen zu lernen, einen netten schwedischen Erasmus-Studenten kennen lernen, unsterblich in ihn verliebt zu sein und mit ihm dann in den Sonnenuntergang zu gehen, ihr wisst schon.

... Nun scheint es allerdings einige Änderungen zu geben. 
Denn ich bin halbwegs dabei mich zu verknallen. In einen Iren. Der rote Haare hat, Sommersprossen und eigentlich überhaupt nicht mein Typ ist. Wirklich gar nicht. Und ich studiere mit ihm (... da erzähle ich jahrelang, niemals was mit nem Mediziner haben zu wollen und nun hab ich den Salat!). Aber was soll ich sagen? Er hat den lovely Irish Accent. Er spricht fließend Irisch. Und er hat ein Auto, mit dem er mich schon mehrfach von der Uni mit heim genommen hat.

Vor 2 Wochen war ich mit meinen liebreizenden Mitbewohnerinnen in der Stadt und wir trafen ihn und ein paar Freunde in einem Pub, wo ich mächtig Eindruck machte mit meiner Fähigkeit, schnell Bier zu trinken. Wir unterhielten uns wirklich nett. 
Und irgendwann mitten in der Nacht sagte er sowas wie "If you don't tell anyone about it, I would really like to take you out.". Womit ich die seltsamste Einladung ever für ein Date (oder so) zu bieten hätte.
Nachdem davon allerdings unter der Woche keine Rede mehr war, schob ich das ganze auf den Alkohol und die fortgeschrittene Stunde. Wir trafen uns dann nur noch in der Uni, in der Bibliothek, (wo ich meiner Internetsucht frönte und so tat, als würde ich lernen, in Wirklichkeit aber facebook besuchte) und immer mal wieder einen kleinen Plausch hielten.
Bis ich dann am Dienstag (übrigens kurz nachdem wir uns verabschiedet hatten, weil er heimwärts aufbrach) eine SMS von ihm erhielt, ob ich Mittwoch mit ihm ins Kino gehen wolle. Und erinnerte sich gar an meine Vorliebe für Actionfilme und Explosionen. 
Allerdings hatte ich keine Zeit, da ich einen unheimlich langweiligen Nachtdienst in der Notaufnahme schieben musste (und die Kinder wollten einfach gesund sein, es kam exakt EIN Kind). Kino war also auf ein anderes Mal vertagt worden.
Gestern dann war irgendeine seltsame Veranstaltung, zu der ich allem Anschein nach unbedingt gehen musste, warum auch immer. Der irische Herr riet mir zu gehen. Und ich war eigentlich müde, aber wenn jemand einen einlädt, auszugehen, sollte man das schlicht und einfach tun! Also auf in die Stadt nach dieser Veranstaltung, in irgendeinen Pub. Als mir dann mein Ire anbot, mich mit seinem Auto mitzunehmen, nahm ich allerdings dankend an, da ich wirklich müde war. Und weil er es war, der es mir anbot.
Sein Auto nicht sonderlich neu. Momentan sind alle Türen bis auf die Fahrertür schlicht und einfach nicht aufzukriegen, weshalb ich über den Fahrersitz einzusteigen hatte (und Himmel, ich trug einen Rock!). Als wir vor meinem Haus standen, stieg er allerdings nicht gleich aus und wir plauderten ein wenig. Und - was nützt es, diese Information rauszuzögern - wir haben uns geküsst.

Tja, und da bin ich nun. Mit einem Iren, der überhaupt nicht mein Typ ist. Der meine Sprache nicht spricht. Und der mich, wenn andere Menschen um uns rum sind, kaum ansieht. Na herzlichen Glückwunsch.
Fakt ist, erstaunlicherweise: Es stört mich nicht (wenn ich nicht anfange, drüber nachzudenken, was ich mir strikt verbiete). Es stört mich nicht, dass ich ihn nicht als Adonis bezeichnen würde. Oder dass seine Anzughosen zu weit wirken. Dass ich seine Alltagskleidung nicht überragend finde. Gruselig, irgendwie.

Und nun ist Wochenende. Und heute habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen, bevor ich heim bin (ich hänge ja nicht mehr den ganzen Tag in der Bibliothek, ich habe ja endlich, endlich Internet :D). Und habe mir vorgenommen, zu warten, dass er sich meldet. Aber mir ist öde und seine SMS sind schlicht und einfach herrlich. So wie ich mich kenne, kriegt er irgendeine absolut sinnfreie SMS von mir, wenn ich nichts besseres zu tun habe.

Aber ich werde mein bestes geben und auf seine Nachricht warten. Wenn sie denn kommt.

6 Kommentare:

  1. Herrlich. Ich habe so gelacht, als ich deine (englische!!) SMS mitten in der Nacht las. Ich las sie übrigens wirklich mitten in der Nacht - auch wenn ich dir erst im Laufe des Vormittags geantwortet habe. ^^ (Ich hörte einen Piepton, las die SMS, lachte laut auf, und schlief grinsend mit dem Handy in der Hand wieder ein!)

    Eines allerdings will mir nicht in den Kopf: Wieso guckt der Herr dich kaum an, wenn andere Leute in der Nähe sind??!! Very strange.

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  2. Tja, manchmal braucht es halt einfach einen Tapetenwechsel, damit es auch mit den Typen läuft. Halt mich auf dem laufenden, mich interessiert das brennend. :D

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  3. Ui, das hört sich doch super an (;.
    Halt deine Leser (mich!) :D auf dem Laufenden, ich bin unglaublich neugierig, wie das weitergeht!

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  4. :D na dann ists doch gut.
    Das Problem ist, dass die Leute in meiner Klasse meinen Blog entdeckt haben und ich mir grad überlege wie ich weitermachen soll. Aber ich mach auf jeden Fall weiter. Am 24. wird mein blog immerhin 1 Jahr alt (;.

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  5. Das war bei mir ja auch so, bis auf wenige Ausnahmen. Und das hat seinen Grund genau :D
    Mal sehen.

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  6. viel glück, madame!
    ist schon reichlich komisch mit dem nicht-anschauen-wenn-leute-da-sind, aber vielleicht ist das einfach so in irland? vielleicht sind die leute peinlich berührt, wenn sie sich öffentlich verliebt zeigen, ohne zusammen zu sein? blablabla, wird schon. (:
    ich mag deinen blog, hab ihn eben erst entdeckt. und nun wird er regelmäßig gelesen!
    liebe grüße (:

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