Sonntag, 26. September 2010

Arthur's Day - or another reason to get drunk.

Die Iren trinken gern. Und das ist kein Klischee oder Vorurteil, das ist ein Fakt. Und sie sind verdammt gut darin, zu trinken. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass es eine große Anzahl an Festivals, Festtagen oder ähnlichem gibt, die den Iren einen besonderen Anlass dazu geben, auszugehen und zu trinken.

Mal abgesehen von den normalen Ausgeh-Abenden Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag - manchmal auch Sonntag, Montag und Dienstag. "Nein, morgen früh hab ich Uni" ist im Übrigen keine Ausrede, sie wird schlicht und einfach nicht akzeptiert und mir einem schulterzuckenden "na und?" abgetan.

So gab es also am 23. den "Arthur's Day", benannt nach dem großen Arthur Guinness, der die Brauerei vor 251 Jahre gegründet hat (deshalb wurde diese Festivität letztes Jahr, zum 250. Geburtstag, eingeführt). Um genau 17:59 hob man sein Glas (bestenfalls natürlich ein Pint of Guinness) und prostete einander zu: "To Arthur!". Und ich mit meinen Mitbewohnerinnen natürlich mittendrin, sowas darf man nicht verpassen.
Die Straßen waren gefüllt mit Menschen - manche noch in Arbeitskluft, andere in einen Hauch von Nichts eingehüllt - alle hatten ihr Getränk in der Hand und zogen von Pub zu Pub.
Es war noch nicht mal 8, als ich schon mein drittes Pint intus hatte - nach einem mikrigen Essen von 3 Scheiben Toastbrot gegen 4 Uhr nachmittags. Ein irisches Pint entspricht übrigens 568ml.

In unserem 2. Pub trafen wir auf einen netten, scheinbar nicht unvermögenden US-Amerikaner, der und im übrigen ebenfalls ein Pint spendierte. Wir hörten eine nette Liveband, deren Sänger einen Zylinder trug. Zusätzlich dazu trug er einen roten Vollbart und ein kariertes Jackett. Und das beste daran: Es sah nicht lächerlich aus.

Wir beschlossen daraufhin, in einen anderen Pub zu ziehen, wo es den ganzen Abend das Pint of Guinness für 2,50€ gab. Also gab es auch dort Guinness en masse. Oh ja, wir waren ziemlich irisch an diesem Abend.

Dort trafen wir auf T. und L. (weiß der Himmel, wieso ich immer mit allen möglichen Menschen spreche, das ist in Deutschland ja schon immer so, in Irland ist es noch schlimmer!). L. verabschiedete sich relativ zügig gen Heimat, also beschlossen wir nach einigen Drinks, ins nächste Pub zu ziehen: Meine 2 Mitbewohnerinnen, der Amerikaner, T. und ich.

Der Abend endete mit folgendem Zettel, geschrieben von mir an meine Mitbewohnerinnen:

Nun denn, wie es dazu kam, "that i got lost"? Die kürzeste Antwort darauf lautet: Guinness. Die detailgetreuere Antwort ist aber diese hier:

Wir zogen also nach einem kleinen Zwischenstop bei McDonald's los ins nächste Pub, wo es natürlich wieder was gab? Richtig, ein Pint Guinness. Es war unübersichtlich dort, wir gingen auf dem Weg zur Damentoilette etwas verloren und mussten uns im Endeffekt  von T. hinführen lassen (wtf?!). Aber natürlich war auch das nicht unsere Endstation, nein! Wir machten uns wieder auf in ein anderes Pub. Dort unterhielt ich mich gerade mit irgendeinem Typen mit schiefen Zähnen (Namen merken war nicht mehr mein Ding), als ich beschloss, ich müsse mal eben den "Bathroom" aufsuchen. 
Dort angelangt, fand ich eine lange Schlange vor. Und da schoss mir eine, wie ich fand, brilliante Idee in den Kopf: Ich könnte ja einfach in einem anderen Pub zum Klo gehen!
Ja, eine großartige Idee war das. Ich zog also los, auf der Suche nach einem Klo ohne Schlange davor. Und ich fand es. Und zufälligerweise traf ich auch ungefähr all meine Kommilitonen in eben diesem Pub.
Ich beschloss also, dort zu bleiben und nicht wieder zurück zu meinen Mitbewohnerinnen zu gehen - mal davon abgesehen, dass ich ehrlich gesagt keine Ahnung mehr hatte, in welchem Pub wir gewesen waren, bevor ich mich verabschiedet hatte und ich keine Ahnung hatte, in welchem Pub ich gerade war.
Problem: Ich konnte ihnen nicht Bescheid sagen, dass ich weg war. Und somit kommen wir zum Teil "My mobile was switched off because I'm stupid...": Mein Akku hatte den Geist aufgegeben, da ich versucht hatte, eine meiner Mitbewohnerinnen, die nachgekommen war, zu erreichen. Und da ich versucht hatte, meinen Iren zu erreichen und zu erfahren, wo er wohl sei. 
Ich wollte mein Handy wieder anschalten - er verlangte nach der Pin-Nummer. Und was tue ich? Richtig, ich tippe 3mal meine Kreditkarten-PIN ein. Herzlichen Glückwunsch, nun verlangte mein Handy also nach der Puk-Nummer, die ich zu Hause in meinem Zimmer hatte.
Also gut, erreichen konnte ich meine Mitbewohnerinnen also auch nicht mehr. Ich lernte allerhand Menschen kennen, die Medizin studieren oder auch nicht, ich trank alles, was man mir in die Hand drückte und ich fragte, ob jemand meinen Iren gesehen hätte - Antwort: "Ich glaub, ich hab ihn gesehen, er hat nach dir gefragt." Na wunderbar - anrufen konnte ich ihn ja eh nicht, weil ich stupid bin.

Aus irgendeinem mystischen, mir unerklärlichen Grund beschloss ich irgendwann, kurz nach draußen zu gehen. Ich sah mich um, wollte wieder hineingehen - leider war es sehr voll, vorm Pub hatte sich eine Schlange gebildet und der werte Herr Security-Mann ließ mich einfach nicht mehr hinein. Ich stand also am Anfang der Schlange (ich sah es gar nicht ein, mich hinten anzustellen!) und wartete darauf, dass der Herr mich wieder rein lassen würde. Ich hatte nämlich keinen Schimmer, wo ich mich befand, wo meine Mitbewohner waren oder sonstwas.

... Und während ich also dort stand und wartete, tauchte auf einmal mein Ire auf. Weiß Gott woher, auf einmal stand er dort. Nach einigen Sätzen über mein ausgeschaltetes Handy und Menschen, die man getroffen haben könnte, setzten wir unser Gespräch eher... wortlos fort. Und geschätzte 10min später fand ich mich in einem Taxi wieder, auf dem Weg in seine Wohnung.

... Ja, ich weiß, nach der Gynäkologen-Geschichte hatte ich mir fest vorgenommen, das nicht mehr zu machen. Aber ich war betrunken (natürlich zählt das offiziell nie als Ausrede!), ich wusste nicht wo ich war und ich mochte ihn.
Mein Herr Ire lebt in einem riesigen Haus, sein Zimmer ist ungefähr 3mal so groß wie meins. Zunächst allerdings verfrachtete er uns ins Wohnzimmer (riesiger Flachbildfernseher an der Wand!), und - glaubt es oder nicht - wir unterhielten uns. Zumindest so weit sich zwei Betrunkene unterhalten können.
Und er erklärte mir: "I'm not the boyfriend-kind-of-guy." Allerdings sei ich "amazing" und er würde mich sehr mögen, aber er sei halt nicht der boyfriend-kind-of-guy. Ich war nicht in der Lage, meine "Was ist für dich ein boyfriend-kind-of-guy?"-Frage vernünftig zu artikulieren, aber nahm schlicht und einfach hin, was er sagte.
Kurz darauf führte er mich in sein riesiges Zimmer mit seinem unheimlich großen Bett. 

... Ich möchte nur so viel sagen: Ich bin nicht eingeschlafen.
Er allerdings schon. Sehr gut, müde war ich nämlich auch. Also legte ich mich neben ihn und schlummerte brav ein. 
Wie spät es war? Keine Ahnung. Wo ich war? In seinem Haus. Wo auch immer dieses war. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, da meine Mitbewohnerinnen keine Ahnung hatten, wo ich war.
Am nächsten Morgen wachte ich gegen halb 8 auf und - überraschenderweise! - ich fühlte mich nicht besonders schlecht. Da wir um 9 Uhr einen Kurs in der Uni hatten (Arthur's Day war ja ein Donnerstag!), weckte ich also meinen Iren und fragte ihn, wie es aussähe - Antwort: "I'm dying - why don't you sleep?!" Dann beschloss er allerdings, wenn ich mich gut fühlen würde, müsse ich gehen, damit das Mädel, das mit ihrem Vortrag dran sei, nicht ganz allein dort säße. 
Bliebe das Problem: Ich hatte keine Ahnung, wo ich war. Und dementsprechend keine Ahnung, wie ich heim kommen könnte.
Also stand mein Ire auf, zog sich an und fuhr mich mit seinem Auto heim. Es stellte sich heraus: Er hatte keinerlei Erinnerungen an den Abend. "Waren wir im Wohnzimmer?" - Jab. "Haben wir meinen Mitbewohner getroffen?" - Nein. "Oh Gott, in meinem Portemonnaie fehlen 100€, was hab ich getrunken?"
Ähm, ja. Plan war also: Ich gehe zu meinen / unseren Kursen, während er sich wieder komplett hungover ins Bett legt.

Zu Hause war ich gegen 8 Uhr morgens. Um auszudrücken, wie Leid es mir tue, hinterließ ich also meinen Mitbewohnerinnen eben obigen Zettel. 
Trotz allem: Ein sehr gelungener Abend - I like Arthur's Day!

9 Kommentare:

  1. sehr schön und unglaublich toll zu lesen und hinein zu fühlen... i like it (:

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  2. Das hört sich nach einem lustigen Abend an.:D

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  3. Dann hat der Abend sich ja gelohnt! :D

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  4. Du hast ein Talent, aus kleinen Erlebnissen nur mit Hilfe von Worten Großes zu machen. Mag ich! ;)

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  5. Ha. Schockiert bin ich nicht mal unbedingt. :D
    Ich weiß nur nicht so recht, wie genau ich diese Story hier kommentieren sollte..

    "Himmel, Meike. Wieviele Pints und Pubs waren es wirklich?"

    "Boyfriend-kind-of-guy... WTF?"

    "Die Kreditkarten-PIN ist mein persönlicher Favorit. Ganz groß"

    oder

    "Aha. DAS ist also wirklich passiert! Wie gut, dass du diese Story nicht auf deinem anderen Blog gepostet hast.. hust"

    waren Antworten, die mir im Kopf rumschwirrten, aber dann fand ich "Mir fehlen die Worte" einfach am aussagekräftigsten. :D

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  6. :D Herrlich, diese Geschichte! :)
    Wie ist das Buch, lesenswert?

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  7. zumindest würden die in den nähkasten passen :D aebr das war nur so ne art schlauch .. ich glaube, rundstricknadeln haben doch an den enden auch sowas ähnliches wie nadeln, oder? :D ich kenn mich da aber auch nicht besonders aus, muss ich zugeben :D

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