Bis 20 Uhr bin ich in der Bibliothek gewesen, danach habe ich noch bei meinen Eltern gegessen und gegen 10 geht es dann nach Hause in meine WG.
Während meine Mitbewohnerin A. mit 3 Freundinnen, darunter ihre Ex-Mitbewohnerin M. (deren Zimmer ich nun bewohne), in der Küche sitzt und plaudert, beschließe ich, in mein Zimmer zu gehen und dort noch einen Film zu schauen, bevor ich gegen halb 2 schlafen gehe. Die 3 Freundinnen würden alle bei uns übernachten.
Ich wache auf, weil jemand mich antippt. In meinem Zimmer steht ein fremder Mann und leuchtet mich mit einer Lichtquelle an. Er sagt "Hey, ich bin grad hier eingebrochen, aber keine Sorge, ich mach nichts. Ich bin der Freund von M.,wo ist A.s Zimmer?". Er macht das Licht an. Geradeaus gegenüber, murmele ich schlaftrunken. Er sagt etwas von "Schlaf weiter!", knipst das Licht aus und verlässt das Zimmer wieder, die Tür nur leicht angelehnt. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es 6 Uhr in der Früh ist. Ich höre, wie er die Tür meiner Mitbewohnerin öffnet und versuche mir einen Reim darauf zu machen, wieso er hier sein möge. Ich beschließe, er müsse wohl noch einen Schlüssel gehabt haben und versuche, wieder zu schlafen.
Dann höre ich meine Mitbewohnerin: "Was willst du hier? Hau ab, was machst du in unserer Wohnung? Ey geh weg, M. will nicht mit dir sprechen! Hau ab, hab ich gesagt, ich ruf die Polizei!" Ich richte mich auf, binde meine Haare zusammen und setze meine Brille auf. A.s Stimme wird lauter, sie stellt sich anscheinend zwischen M. und den Mann, öffnet die Wohnungstür und befiehlt ihm zu gehen. Sie macht die Tür zu und brüllt, er solle abhauen und nicht das ganze Haus aufwecken - der Mann hingegen schreit durch den ganzen Flur "M., du bist doch da! Komm raus! Komm raus! Ich geh nicht!!"
Meine Mitbewohnerin ruft die 110 an und bittet um Hilfe der Polizei. Der Ex-Freund ihrer Freundin sei eingebrochen und raste nun völlig aus.
In diesem Augenblick: ein lauter Rums. Und ein weiterer. Und ein weiterer. Bersten von Holz. "ER HAT DIE TÜR EINGETRETEN!"
Ich verlasse mein Zimmer und eile in die Küche. Der Mann sucht das Weite, als die Polizei im Anmarsch ist - denn in diesem Augenblick sehen wir blaue Lichter vom Ende der Straße kommen.
Ich verlasse mein Zimmer und eile in die Küche. Der Mann sucht das Weite, als die Polizei im Anmarsch ist - denn in diesem Augenblick sehen wir blaue Lichter vom Ende der Straße kommen.
Die Polizei nimmt die Personalien auf und lässt sich, soweit M. es weiß, die Daten ihres Ex-Freundes geben. Sie geben einen Suchbescheid raus - M. bittet den Polizisten, den Kollegen durchzugeben, dass ihr Ex-Freund voll drauf sei. Er grinst und erwidert, die Kollegen würden sicher angemessen mit dem Typen umgehen. Wir sitzen in der Küche in unseren Schlafanzügen, meiner ist mit Schäfchen bedruckt.
5 Minuten später knarzt das Funkgerät der Polizistin: "Wir haben ihn." Anscheinend hatte er in der Nähe herumgelungert und konnte aufgegriffen werden. Meine Mitbewohnerin unterschreibt die Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Wir beobachten die Diskussion der Polizisten und ihm durch das abgedunkelte Wohnzimmerfenster. Sie müssen ihn laufen lassen, er soll nach Hause gehen.
Im Flur liegen Holzsplitter, das Schloss ist aus der Verankerung im Rahmen gerissen. "Was machen wir mit dem Schloss?" - "Sie können einen Schlüsseldienst rufen, er müsste das dann bezahlen - aber erstmal müssten Sie vorstrecken." Prüfender Blick auf das Schloss. "... Oder Sie hauen die Schrauben einfach provisorisch wieder mit einem Hammer rein."
Wir sollen uns melden, wenn er noch einmal auftaucht, dann ist die Polizei schon wieder weg. Streifenwagen fahren aber noch häufiger durch die Straße. Ich hole meinen Hammer und wecke um halb 7 morgens das ganze Haus ein zweites Mal, als ich die Schrauben in den geborstenen Türrahmen hämmere.
Ich beschließe, dass wir erst einmal einen Tee trinken, bevor wir uns wieder ins Bett begeben und weiter schlafen. M sagt, ihr Ex-Freund sei psychisch kaputt und voll auf Kokain. Er hat sogar eine eigene Taschenlampe mitgebracht, die hat er in der Küche liegen lassen. Er ist durch das Küchenfenster eingestiegen, das noch auf kipp war vom letzten Lüften des Abends, wir hatten vergessen es zu schließen. Es sei nicht die erste Wohnung, in die er einbricht, lassen wir uns erklären. Daher steht auch das kleine Basilikumsträuchlein noch genauso wie ich es abends auf die Fensterbank gestellt hatte.
Ms Handy klingelt. Eine fremde Nummer. M geht nicht ran. Kurz darauf eine SMS: "Hey, ich bin hier mit deinem Freund am Bahnhof, du sollst ihn bitte abholen. Wenn noch Fragen sind, ruf einfach an."
Wir überlegen noch, was sie antworten soll, da klingelt das Handy wieder. Diesmal geht sie ran, hauptsächlich um den Besitzer des Handys zu warnen. "Tu mir einen Gefallen - Nimm das Handy und GEH WEG damit. Ignorier den, das ist mein Ex-Freund, geh einfach weg, der ist auf Drogen!" Dann wieder ihr Ex-Freund am anderen Ende, M beschimpft ihn, er solle sich schämen und sie wolle garantiert nicht mit ihm sprechen, er solle nach Hause fahren. Dann legt sie auf.
5 Minuten später eine SMS. "Habe deinen Ex-Freund zum Bahnhof zurück gebracht. Er ist jetzt auf dem Weg nach X - sagt er zumindest. Ich hoffe, ich habe euch keine Unannehmlichkeiten bereitet."
In dem Moment Taschenlampen im Innenhof. Die Polizei ist noch einmal da und leuchtet den Hof nach ihm ab, nur um sicher zu gehen. Wir öffnen das Fenster und sagen ihnen, er habe am Telefon gerade gesagt, er wolle noch einmal kommen. Wir müssen ihm versichern, dass wir uns melden, wenn etwas ist. Ich stelle fest, dass der Polizist der Sohn der Nachbarn meiner Eltern ist, zum Glück sieht er mich nicht.
Wir trinken unseren Tee aus, schließen die Tür doppelt von innen ab und lassen den Schlüssel stecken, sehen noch einmal nach, ob das Fenster in der Küche wirklich geschlossen ist.
Gegen 7 Uhr liege ich wieder in meinem Bett, habe mir eine DVD angemacht und checke noch einmal, ob mein Wecker gestellt ist. Kurz habe ich überlegt, ob ich überhaupt noch schlafen gehen soll oder einfach aufstehen und anfangen zu lernen. Aber bevor ich mich anders entscheiden kann, bin ich mit der DVD im Hintergrund sanft entschlummert und wache ein paar Stunden später so spät auf, dass ich meinen nächsten Termin fast nicht mehr pünktlich erreichen kann.
Kino in meiner eigenen Wohnung. Genau das ist letzte Nacht passiert. Und erstaunlicherweise hatte ich nicht eine Sekunde lang Angst. Nur brauchen wir nun eine neue Tür.
Das ist ja echt ein krimi in den eigenen vier Wänden. krass! aber ich weiss ja nicht, ob ich da noch so ruhig bleiben könnte...
AntwortenLöschenHahaha, omg, Meike, ZIEH NIE NIE WIEDER IN EINE ERDGESCHOSSWOHNUNG! :O Ich wäre vor Angst vermutlich gestorben.
AntwortenLöschenAch, das ist doch kein Problem :D Aber danke für die Warnung. Wer weiss, vielleicht wäre ich ja so sehr ausgerastet, dass ich all meine Mafiosi-Kollegen zu dir rüber geschickt hätte :D
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