Ich bin momentan sehr träge, denn ich mache Praktikum im Krankenhaus (Famulatur nennt sichs) - und da um 7:30 Dienstbeginn ist, muss ich um 6:15 aufstehen. Und das auch nur, weil meine Mutter mir netterweise das Auto überlässt. Sonst müsste ich um 6:28 mit der Bahn fahren.
So viel zu meiner Trägheit.
Meine Famulatur mache ich aber nicht auf irgendeiner Station, nein: Ich bin in der Naturheilkunde (Chef sagt lieber "Naturheilverfahren"). In der Naturheilkunde kriegen die Patienten keine chemisch hergestellten Medikamente (es sei denn, sie sind schon vorher darauf eingestellt worden und brauchen sie etc), sondern naturheilkundlichen Kram - Tees, Kytta, Öle, Pflanzenkapseln etc und bekommen physikalische Therapie (Krankengymnastik, Massagen, Moorbäder, Bewegungsbäder, Armbäder, blah), je nach Krankheitsbild und Schmerzgrad.
Außerdem gibt es dort Ernährungstherapeuten und Psychologen, die sich auf die Ordnungstherapie spezialisiert haben (Ordnungstherapie ist superspannend vom Ansatz her, weil es nicht bis in die Kindheit geht, um ein Trauma zu finden, sondern im hier und jetzt bleibt und die Ressourcen, die der Mensch hat sucht, um diese zu mobilisieren, damit der Patient sein Leben besser in den Griff bekommt...).
Dauer meines Aufenthaltes dort sind 15 Tage (inkl. freier Wochenenden versteht sich) und Montag ist mein letzter Tag (sprich: dieses Wochenende wird gebacken, was das Zeug hält, um einen vernünftigen Abschied zu geben...). Und ihr seht, eigentlich gefällt es mir sehr gut da, es ist einfach anders als auf "normalen" Stationen, wo man häufig mehr Symptome als den Patienten behandelt.
So, jetzt mal ans Eingemachte: Was darf ich dort also machen?
Ich schröpfe Patienten - soll wohl helfen, die Durchblutung zu fördern und dem Körper Giftstoffe entziehen. Sieht dann so aus und viele Patienten empfinden das als sehr angenehm und schmerzlindernd.
Ich kann "Neuraltherapie" durchführen - das ist Spritzen von Lokalanästhetikum unter die Haut an schmerzhaften Stellen (natürlich nicht bewiesen, aber den meisten Patienten hilfts!).
So, und das, was ich Freitag gemacht habe: Blutegel setzen!
Blutegel sind kleine, possierliche Tierchen, die Dunkelheit mögen und normalerweise in Sümpfen leben würden, wenn sie nicht medizinisch genutzt würden.
Das ist ein solches Exemplar:
Dieser Kamerad hat sich schon festgebissen - das, was man vorn im Bild sieht, ist nur das Hinterteil mit dem Saugnapf,mit dem sie sich festhalten ;)
Man fischt sie also aus dem Wasser und pappt sie auf die Hautstellen, die den Schmerz beherbergen (geht überall: Rücken, Schulter, Knie, ...) und wartet, bis sie anbeißen. Dann fressen die kleinen Egel sich wunderbar voll und fallen ab, wenn sie satt sind und geben gleichzeitig ein Sekret ab, das Blut flüssig machen und schmerzlindernd wirken.
Da sie aber möglicherweise Keime, Giftstoffe etc. einsaugen, müssen sie nach dieser Henkersmahlzeit leider getötet werden.
Früher gab es mal ein "Seniorenbecken" (süße Vorstellung!!!) in der Firma, die sie züchtet, aber durch Vogelgrippe und andere Epidemien gilt es nun als zu gefährlich und sie müssen sterben :(
Nunja, diese kleinen, schleimigen Viehcher habe ich jedenfalls auf Patienten verteilt, während die Assistenzärztin mir leicht bewundernd zusah, weil sie die Egel relativ eklig findet ;)
Sie hat mir sogar angeboten, ich könne das doch als Nebenjob machen :D
Ja, so viel zu meinem kleinen medizinischen Exkurs mit euch. Mehr habe ich momentan nicht zu erzählen, also war es dieses ;)
Als Ausblick: Dienstag beginne ich mit meinem Italienisch Intensiv-Sprachkurs und Freitag gehts schon in den Skiurlaub <3
Liebste Grüße!
PFUI PFUI PFUI. Ich HASSE Blutegel!!!!!
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