Sodenn, der zweite Teile folgt dem ersten auf dem Fuße (2 Posts in einer Woche finde ich für mich schon ganz gut...!):
Ja, ich war also verliebt. Und hasste es.
Ja, ich war also verliebt. Und hasste es.
Vor allem, da mir dadurch natürlich auch klar wurde, dass ich eigentlich niemals wirklich in Psycho verliebt gewesen war. Ich hatte ihn gern gehabt. Das wars dann aber auch schon gewesen. Nicht, dass ihr das falsch versteht, ich bereue die Beziehung im großen und ganzen nicht, aber es ist hart, herauszufinden, dass man sich 6 Monate lang eingeredet hat, man sei verliebt.
Aber was konnte ich daran ändern? Immerhin war das Interesse jetzt ja nicht ganz einseitig. Wobei unsere "Umstände" längere Zeit nicht geklärt waren. Wir schrieben monsterlange Dialoge bei icq (wir mochten, dass wir nebenbei noch was anderes machen konnten, mal davon abgesehen dass er eh nicht gern telefonierte), wenn wir uns trafen verhielten wir uns pärchenmäßig und führten ätzendes Pärchen-Gesäusel durch ("Wenn du so guckst siehst du süß aus!" - "Ich bin nicht süß!" - "Bist du wohl!" - "Bin ich nicht!" ...). In der Schule erzählte ich meinen Freundinnen immer mehr von ihm, aber auf die Frage "Wer ist das denn?" antwortete ich immer mit "Das ist der beste Freund des Freundes meiner Schwester!". Klingt sehr umständlich? War es auch.
Aber da wir nunmal keine 14 mehr waren konnte man natürlich auch nicht ohne ein klärendes Gespräch nicht mehr behaupten, man sei zusammen. Dieses Gespräch ließ allerdings auf sich warten, da wir beide unfassbar schlecht darin waren, solche Dinge zu beginnen. Im Endeffekt lief das ganze dann in etwa so ab:
Ich: "Immer wenn mich jemand fragt, wer du bist, muss ich sagen 'Das ist der beste Freund vom Freund meiner Schwester.' - das ist voll umständlich so, aber was soll ich sonst sagen...?"
- Er (mit Rehblick): "Wie wärs mit... Mein Freund?"
"Echt jetzt?"
- "Echt jetzt."
Ich (Nach Knutscherei): "Verdammte Scheiße, ich bin echt total in dich verliebt."
- "Gut, ich auch in dich."
"Igitt, das war ja nun wirklich fürchterlich kitschig!"
Sodenn, das Datum dieses Tages habe ich mir natürlich nicht gemerkt, aber ab da waren wir dann wohl auch offiziell zusammen nach mehreren Umeinander-herumschleich-Wochen.
Die nächste Zeit war von Zweisamkeits-Kitsch geprägt. Wobei, wenn ich sage Kitsch würden andere Leute wohl "normales Beziehungsverhalten" sagen.
Wenn er zu mir kam, brachte er mir Musik mit, denn er fand, meine Musiksammlung sei untragbar (und ja, er hatte Recht, das waren halt die ganzen Sachen, die ich damals mit 13 runtergeladen hatte und seitdem auf meiner Festplatte schlummerten...).
Ich amüsierte mich darüber, dass er Unterhemden trug und seine Haare ihm ständig ins Gesicht fielen. Und darüber, dass er sich tatsächlich eine gesamte Busfahrt zu mir (immerhin über 30min) Gedanken darüber gemacht hatte, ob Tokio Hotel der Untergang der Emoszene seien.
Achso, um das klarzustellen: mein neuer Freund war ein Emo. Mit Leib und Seele, wenn auch noch nicht mit dem komplett gewandelten Aussehen. Damals war das allerdings noch nicht in und nicht jedes kleine Mädchen hatte ein "von-oben-rechts-mit-Haaren-im-Gesicht-Badezimmer"-Profilbild.
Wir führten eine Diskussion darüber, dass er meinte, 'Schatz' wäre ja furchtbar (worin wir 100%ig übereinstimmten), aber er wäre ja ein Fan von Darling, was ich ihm allerdings nur unter der Auflage zu sagen erlaubte, wenn er mit Frack und Zylinder vor meiner Tür stünde um mich in einer Kutsche abzuholen.
Und manchmal saßen wir auch nur da und sahen uns an. Seine Augen, wie oben beschrieben, groß, braun, tief blickend.
Er sagte, er sei in vorhergehenden Beziehungen sehr eifersüchtig gewesen, aber bei mir so gar nicht. Er glaube, das sei ein gutes Zeichen. Es war das erste Mal, dass ich in einer Beziehung dachte, das könnte länger halten. Wir hatten September und ich dachte schon daran, ob ich ihn dazu überzeugen könnte zu meinem Chorauftritt kurz vor Weihnachten kommen. Ich war optimistisch und sehr sehr verliebt.
Schlafen konnte ich nur noch gut, wenn er neben mir lag. Dazu musste er mich nicht mal berühren, allein die Tatsache, dass er dort war ließ mich selig einschlummern. Und er ließ manchmal morgens die Schule ausfallen, um länger neben mir liegen zu können. Es war großartig.
Und er war toll. So pink (rosarot war gar kein Ausdruck mehr) wie mir alles erschien, fand ich alles, was er tat oder sagte, sowieso wundervoll.
Ende September konnten wir uns durch ungünstige Zustände länger nicht sehen - erst passte es mal nicht, dann verletzte ich mich auch noch in einem Handballspiel so blöd, dass ich später operiert werden musste.
So saß ich in meinem Zimmer eingesperrt, hatte Freundinnen auf Krankenbesuch da und meine Mutter brachte mir mein Mittagessen die Treppe hinauf. Er war bei icq online und ich schrieb ihm "Ich will dich sehen."
Seine Antwort: Er müsse mit mir reden und würde noch heute vorbei kommen. Ob das nicht bis morgen warten könne? Nein, er würde gleich los fahren.
Wem würde nicht Böses schwanen bei dieser Aussage? Meinen Freundinnen gegenüber sagte ich nichts, aber eigentlich hoffte ich, er würde gar nicht kommen, sodass ich noch einen weiteren Tag hätte, um mich darauf vorzubereiten.
Er kam und als ich fragte, was los sei, antwortete er "Du weißt doch, wieso ich hier bin." Also bitte, natürlich weiß ich das. Aber so leicht werde ich es dir nun nicht machen.
Ja, was soll ich sagen? Natürlich machte er Schluss. Einfach so. Ich fragte nach einem Grund (und war tatsächlich geneigt davon auszugehen, dass es an mir läge, denn er war ja perfekt und machte keine Fehler...).
Nach 2 Monaten, die wir nun mehr oder minder zusammen waren, erhielt ich diese Antwort auf das warum:
"Ich glaube, ich habe mir nur eingeredet, in dich verliebt zu sein."
BAM. Er war also nie in mich verliebt gewesen.
Erklärungen folgten auf dem Fuße: Deshalb sei er wohl nicht eifersüchtig gewesen, sagte er. Er möge mich und wäre so gern in mich verliebt gewesen, aber war es einfach nicht. Er habe es "selbst nicht wahrhaben wollen". Es tue ihm Leid. Und es wäre ja noch blöder in meiner jetzigen Situation, dass ich nichtmal aus dem Haus könne mit meinem Knie. das tue ihm noch mehr Leid. Na Danke.
Und was mache ich? Ich sitze da und nicke verständnisvoll. Und sage ihm, dass das okay wäre und danke ihm allen Ernstes dafür, dass er so ehrlich zu mir war. Ich verdrücke 3 Tränen, umarme ihn und atme seinen Geruch ein. Er sagt, er müsse gehen und ich bringe ihn zur Tür.
Ich habe den ganzen restlichen Abend nicht geweint. Ich habe ihn verbracht, als wäre er nie da gewesen und hätte nie Schluss gemacht. Ich habe mit meinen Eltern gegessen und später fern gesehen.
Wieso? Ich fand ihn nun eigentlich nun noch toller als vorher. Weil er so unfassbar ehrlich gewesen war. Weil er perfekt war. Weil er sogar perfekt war im Schluss machen.Weil ich niemals etwas schlechtes auf ihn hätte kommen lassen. Na, da steckt ja auch ein bisschen Psycho in mir, würde ich sagen.
Über die Trennung habe ich niemals mit jemandem wirklich geredet, zumindest nicht in den ersten 2 Jahren nach der Trennung. Ich war mir ja lange Zeit selbst sicher, dass ich damit gut klar komme. Natürlich weiß ich, dass es mir nicht gut ging. Ich fühlte mich leer und taub. Aber ich dachte, das wäre gut. Wie bei Harry und Sally, wenn Sally sich von ihrem langjährigen Freund trennt und sagt, sie vermisse ihn nicht - sie vermisse "die Vorstellung von ihm". Haha, natürlich habe ich verdrängt, dass Sally später zusammen bricht, wenn sie von der Hochzeit ihres Exfreundes hört...
Damals habe ich niemals mit anderen über meine Probleme gesprochen. Ich dachte immer, sie wären zu banal und alle würden mich daher auslachen, obwohl ich eigentlich wusste, dass sie es nicht tun würden.
Stattdessen habe ich mich unregelmäßig bis regelmäßig in den Schlaf geheult. Weil er nicht neben mir lag. Weil er nicht mehr mein war. Weil er trotzdem perfekt war. Weil ich niemanden wie ihn jemals finden wieder würde. Weil ich nicht gut genug für ihn gewesen war.
Für letzteres habe ich mich dann übrigens immer gleich selbst geohrfeigt. So viel Stolz war mir geblieben, dass ich wusste, dass es nicht an mir gelegen hatte. Die Gedanken kamen trotzdem.
Tagsüber war ich aber ganz normal. Tagsüber ging es mir wirklich gut. Nur die Nacht durfte nicht kommen. Ich schlief viele Nächte mit meinem Leselicht ein, weil ich erstaunlicherweise erst bei Dunkelheit anfange zu denken.
Er war auf einem Podest. Er war perfekt. (wie oft habe ich das jetzt schon geschrieben? ...)
Wie ich es geschafft habe, dieses Podest zu erstellen frage ich mich bis heute.
HALLO?! Der Typ hat mit mir auf fieseste Art und Weise Schluss gemacht und ich huldige ihm dafür? Er hätte auch einfach sagen können, er wäre nicht genug für eine Beziehung da. Muss man mir sagen, dass man NIEMALS überhaupt verliebt war? Wie gemein ist das bitte? Ehrlichkeit hin oder her, so viel Lüge darf doch wohl sein!
Und das auch noch, nachdem ER derjenige gewesen war, der alle ersten Schritte gemacht. Der mir gesagt hatte, ich solle Schluss machen. Der mit mir ins Kino gehen wollte. Und so weiter. Sonst hätte ich es nie zugelassen, mich so sehr zu verlieben. Ich wünschte, ich hätte ihn hassen können.
Er hatte übrigens kurze Zeit später eine neue Freundin (4 Jahre jünger als ich, ebenfalls blond, aber weniger attraktiv -hust-). Und eine fürchterliche Emo-Frisur. Und ständig entzündete Unterlippenpiercings. Der Freund meiner Schwester erzählte mir, er sei nicht mehr sein bester Freund, da er nun arrogant und ätzend sei. Ich wollte ihn nicht mehr zurück, so wie er jetzt war. Aber so, wie er früher war, so hätte ich ihn lange Zeit ohne eine Millisekunde nachdenken zu müssen zurück genommen. Und diesen jungen Mann sah ich, sobald ich seine Augen sah.
Wie lang das ganze dauerte? Fast 3 Jahre stand er auf dem Podest, ohne dass da etwas bröckelte, auf meinem Podest war er perfekter als er jemals in echt gewesen war. Jeder Typ, den ich kennen lernte, wurde mit ihm verglichen (und schloss natürlich schlechter ab). Das Gefühl, dass ich bei ihm hatte, suchte ich bei jedem Typen, aber ich fand es nicht.
Der Entschluss, mir nie wieder so das Herz brechen zu lassen, stand. Somit wurde nichts an Gefühlen zugelassen und ich blieb weiterhin leer und taub. Und mir gefiel das tatsächlich. Mein Leben war nicht schlecht und ich mochte es. Aber irgendwann fühlt man sich dann doch so, als verpasse man das eigentlich wichtigste.
Nach 3 ein halb Jahren traf ich jemanden, bei dem ich feststellte, dass er ganz und gar nicht perfekt war, ganz und gar nicht wie ER und ich ihn trotzdem unheimlich gern mochte.
Nach 3 ein halb Jahren traf ich jemanden, bei dem ich feststellte, dass er ganz und gar nicht perfekt war, ganz und gar nicht wie ER und ich ihn trotzdem unheimlich gern mochte.
3 Jahre Aufarbeitungszeit für nicht mal 2 Monate Beziehung, wer überbietet das?
Aber was solls, c'ést la vie!
Zumindest habe ich daraus gelernt, dass man sich Freunden anvertrauen sollte, denn wenn man nicht alles in sich hineinfrisst, übersteht man sowas schneller. Ich habe gelernt, wieder realistischer zu sein und trotzdem das Risiko einzugehen, weil es sich lohnt. Denn in den 2 Monaten war ich aufrichtig und ehrlich glücklich. Und man kann ja nicht immer nur an solche Typen geraten. Denn ich glaube schon, dass ich ehrlich liebenswert bin.
Inzwischen hatte ich schon mein 6jähriges und werde im Oktober mein 7jähriges Single-Dasein feiern, wenn sich nichts ändert. Aber ich glaube immer noch daran, dass alles gut wird.
... Das ist also eine geschwollene Erklärung, wieso ich bin, wie ich bin. Und nun wisst ihr auch, wieso ich das alles in 2 Teile geteilt habe, sonst wäre es doch arg lang geworden ;)
Mit dem "Typen-auf-ein-Podest-stellen" kenn ich mich nur zu gut aus und verstehe deshalb genau, wie kacke die Sache für dich sein musste. :/
AntwortenLöschenOh das kenne ich auch. Ich finde es schwer das abzulegen. Man selbst denkt, dieser Mensch hat keine Fehler, so wäre ich auch gerne. Dabei ist derjenige auch nur ein Mensch. Irgendwie blendet man das aber total aus.
AntwortenLöschenToll übrigens, das du so schnell geschrieben hast. Sonst hätte es aber auch Schläge gegeben ;P
oh, das mit dem auf-einen-podest-stellen kenn ich auch... vielleicht sollte ich die person einfach mal runterschubsen.
AntwortenLöschenps: ich mag deinen blog wirklich sehr (;
Ich kann hier eigentlich gar nicht mitreden, weil ich noch nie verliebt war. Aber, oh Gott, ich fühle so mit dir! Ich kann's nicht fassen, dass ich den langen Text durchgelesen habe. (Du schreibst wirklich gut, glaub mir, sonst hätte ich nicht so viel gelesen ;)
AntwortenLöschenDein Blog ist echt toll!
Natüüürlich!! Schleichwerbung deluxe! :D
AntwortenLöschenIch finde deine Ausführungen wunderbar und erfrischend ehrlich- und ich galube, ich habe mich ziemlich lange genau gleich verhalten wie du und obwohl der unterschied bei uns eine dreijährige Beziehung war und er tatsächlich ziemlich perfekt und ich das Arsch war, steht er bei mir auch auf einem Podest und das nach nun mehr mehr als 4 Jahren und jeder neue Mann scheitert bei dem Vergleich mit ihm...
AntwortenLöschenDie Geschichte dazu hier ;)
http://letters-fromtheinside.blogspot.com/2011/01/day-10.html
Ich finde deine Texte auch so schön,wie hope schon sagte: erfrischend ehrlich.
AntwortenLöschenUnd danke für deinen Kommentar :) Ich bemühe mich wieder regelmäßiger zu bloggen und hoffe, ich verliere nicht wieder die Lust :)
Danke Meike :) Ich merke gerade, dass ich schon lange nicht mehr auf deinem Blog gewesen bin :/
AntwortenLöschenIch finde eine Texte toll, wirklich. Nur schade, dass ich bei diesem Thema nicht wirklich mitreden kann :D