Dienstag, 7. Juni 2011

Von inneren Abschieden und Inselmomenten.

Der Golfspieler hatte mir irgendwann mal gesagt, er sei Samstag Abend in der Stadt. Meine Freundinnen allerdings waren alle übers Wochenende nach Hause gefahren bzw. sind nicht so diejenigen, die Abends lange weggehen.

Und so beschloss ich, einfach allein in die Stadt zu gehen - immerhin war das mein letztes volles Wochenende in Galway!
Da ich niemanden hatte, mit dem ich gehen konnte, aber keine Lust hatte, irgendwelche Leute anzuschreiben, beschloss ich einfach, eine Notlüge anzuwenden - ich machte mich erst gegen Mitternacht auf in die Stadt und erklärte, meine Freunde (zur Not irgendwelche Amis, die von den Iren niemand kennt und die morgen nach Hause fahren) wären schon nach Hause gegangen und ich wäre grad nur zufällig auf dem Weg nach Hause hier vorbei gekommen.
Klingt jetzt übrigens bescheuerter als es eigentlich war.

Ich machte mich also nach ein wenig Wein zu Hause und einer SMS an den Golfer ("Bist du heut Abend in der Stadt?") auf in die Stadt und kettete mein Rad an, um dann die Pubmeile hoch zu laufen. Auf dem Weg wurde ich von einem jungen Mann angesprochen, der mir irgendwie bekannt vor kam, also blieb ich stehen. Die Konversation strotzte nur so vor Niveau, hier also nur der schönste Ausschnitt:  
"Do you know my friend?" einen Typen am Arm herziehend "He's got a big penis!!! ... He can [hier wunderbare vögel-Geste] all night" 
... Der Punkt, an dem ich endgültig feststellte, dass ich den Typen nicht kannte.
Also lief ich weiter die Hauptstraße hinauf, in ein Pub hinein, in dem man normalerweise immer jemanden findet, den man kennt - diesmal Fehlanzeige. Ich dachte kurz darüber nach, in das Pub zu gehen, in dem man sonst den Golfspieler häufig finden konnte, ließ den Gedanken aber dann doch fallen.

Ich machte mich also auf in ein anderes Pub, vor dem ich einen Bekannten aus dem Jahrgang unter mir sah. Kurzentschlossen machte ich mich also auf den Weg zu ihm und fand mich schon wenige Sekunden später umzingelt von Shane wieder. Ob Shane obdachlos ist, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall war er hackenstramm und lallte. Die einzigen zwei Sätze, die ich verstehen konnte, waren:
"I'm gonna marry you!" und: "You're my girl!"
Wann hat man sowas schonmal? Innerhalb kürzester Zeit bekommen man erst einen Riesenpenis angeboten, der es einem die ganze Nacht besorgen kann und danach einen sehr nachdrücklich formulierten Heiratsantrag.
Eben letzterem konnte ich auch nur entrinnen, weil Shane kurz mal abgelenkt war und wir schnellstens die Flucht ergriffen - hinein ins Pub, wo wir uns quasi sicher sein konnten, dass er uns nicht folgen könnte.

Der besagte Bekannte ist ein sehr seltsamer Geselle. Sehr nett, aber irgendwie gruselig. Er schleppte mich also zuerst in das Pub, und nachdem das andere Mädel, das noch da gewesen war, verschollen blieb, wurde ich zum Chinesen um die Ecke geschleift, wo er (mäßig appetitlich, wie viele Iren) sein Curry verputzte.
Als er mir seinen nächsten Plan eröffnete - "wir gehen zu einem Freund, der ungefähr 3km außerhalb der Stadt wohnt, seine Eltern sind nicht da, und wir haben Gras!" - verabschiedete ich mich von ihm.
Meine eigentliche Absicht allerdings bestand definitiv nicht darin, nach Hause zu gehen. Natürlich war ich eigentlich in der Stadt, um den Golfspieler vielleicht noch ein letztes Mal zu sehen, bevor ich nach Hause fahre.

In der Stadt war allerdings noch viel los, da ein kleines Festival stattfand und so schlenderte ich die Straße entlang und überlegte, ob ich nicht noch bei Supermac's, einer Irischen Fastfoodkette, einen Burger abstauben sollte. Nachdem ich den Laden mit der langen Schlange allerdings von innen sah, war diese Idee schnell verworfen und ich wollte den Laden gerade verlassen, da stand ER vor mir. Betrunken.
Und machte allen Ernstes mir Vorhaltungen, dass ich mich nicht bei ihm gemeldet hätte. Dass ich ja ruhig eine SMS hätte schreiben können, als er mir gesagt hatte, dass er am Samstag ausgehen würde, in der steht "Okay, wir treffen uns da und da!".
Dass er mir eine ordentliche Abfuhr erteilt hatte, die es mir verbot derartiges zu schreiben, schien im gerade entfallen zu sein. Meine "ähm, ich hab dir aber vorhin geschrieben, aber du hast nicht geantwortet"-Versuche wurden abgeschmettert.
... Dafür fand ich mich Sekunden später knutschend im Fastfood-Laden wieder. Richtig, mitten im nächtlichen Supermac's-Gedränge. Classy, ich weiß. Davon hat übrigens auch jemand ein Foto gemacht, zum Glück ist das nicht bei facebook gelandet (oder zumindest bin ich nicht verlinkt darauf).

Kurze Zeit später: "Lass uns gehen." - also auf in seine Wohnung, die ca 30 Sekunden Fußweg entfernt lag. Mit einem kleinen Schönheitsfehler: Er hatte keinen Schlüssel mit. durch die Sicherheits-Türcode-Türen kamen wir noch, aber die Wohnungstür blieb verschlossen und sein Mitbewohner war entweder nicht da oder machte nicht auf. Also beschlossen wir dann, stattdessen zu mir zu fahren - 8€ fürs Taxi, ich ließ mein Rad in der Stadt stehen, nur weil der Herr keinen Schlüssel hatte. Aber immerhin wohne ich inzwischen allein in diesem Haus, daher okay.

... Nunja. 3. Base diesmal erreicht kann ich da nur sagen. Anscheinend sah ich gorgeous aus. Und irgendwann schiefen wir ein, da wurde es draußen schon wieder hell.
Aber irgendwie war von Anfang an klar, dass das nichts ist, was nun "mehr" werden könnte oder würde. Auch schon, bevor er mir "I just want you to have a good night before you leave" zumurmelte. Und das war okay so. 3. Base als Abschiedsbase sozusagen.

Aber daran war zunächst nicht zu denken, denn auch am nächsten Morgen / Tag hingen wir müde und verkatert nebeneinander, verschlungen oder sonstwie im Bett. Auf einer Insel eben. Wissend, dass alles, wenn man die Insel verlässt, anders sein wird. Und diesmal wusste nicht nur ich das, sondern auch der männliche Part neben mir.
Irgendwann rang er sich doch dazu durch, aufstehen zu wollen, wogegen ich vehement protestierte - wenn ich ihn schon nur eine Nacht hatte, dann wollte ich wenigstens noch ein paar Minuten rausschinden.
Dann standen wir auf, zogen uns an und der Inselmoment war endgültig vorbei. Ihm fiel auf, dass er jetzt ja noch in die Stadt zurück laufen musste. Da ich mein Rad auch noch dort hatte (er war davon überzeugt, dass es gestohlen worden sein würde, aber meine Schrottkiste klaut niemand!), schlenderten wir also gemeinsam in die Stadt, während er Drohanrufe bei dem Bekannten startete, damit das Foto ("evidence") nicht bei facebook erscheinen würde.
Ich bat ihn, mir Bescheid zu geben, wenn er nochmal in der Stadt sei, bevor ich den Heimflug antrete, sodass wir uns wohl nochmal sehen könnten, falls es zeitlich hin käme. Er sagte zu und verschwand.

Und das komische ist: Seitdem geht es mir viel besser. Ich denke nicht mehr so viel an ihn und ich habe nicht mehr die was-wäre-wenn-Gedanken.
Das einzige, was mir wohl erst mal bis Mitte der Woche bleiben wird, sind "was mache ich, wenn ich schwanger bin?"-Gedanken, die natürlich absolut unnötig sind, aber immer mal wieder auftauchen.


Vielleicht bin ich ja unerwarteter Weise doch der Typ für Abschiedssex?!

3 Kommentare:

  1. Wahhhhhhh.... OH MANN! Wir müssen wirklich skypen, junge Dame!

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  2. Ich möcht dich so gern kennenlernen...
    Freu mich jedesmal wenn du schreibst und etwas
    von dir hören lässt..
    I love your Stories!
    Aber du solltest wirklich mit deiner Freundin skypen ;-) Liebe Grüße, Aurelie

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  3. Das ist so herrlich. Man bekommt einfach nie genug von deinen Geschichten und wenn der Text 10 mal so lang wäre.. ich würde ihn trotzdem lesen.

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Du bist ein Lichtblick ♥

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