Montag, 9. Mai 2011

Von Freiheit und bösem Erwachen.

Am Donnerstag habe ich meine letzte Klausur geschrieben. Die allerletzte hier!
Und dafür musste ich für 3 Tage mein Leben aufgeben (und eigentlich länger, aber ich war ja an besagtem Freitag fürchterlich verkatert, Samstag war ich krank und Sonntag... naja, war eben Sonntag!) - 3 Tage lang lebte ich in der Bibliothek, 12h Schichten wurden geschoben, damit ich diese verdammte Klausur bestehe.

Ob ich das geschafft habe, das kann ich euch nicht sagen. Aber dass es vorbei ist, zumindest bis nächste Woche Freitag, das steht schonmal fest. Freitag wäre eine mündliche Prüfung, falls ich "borderline" zwischen bestehen und durchfallen bin. Aber ich glaub nicht, dürfte schon irgendwie hingehauen haben, hoffe ich.

Aber wie dem auch sei - Fakt ist: Wir waren alle SO ready to go out! In der Bibliothek sitzend wurden Nachrichten hin und her geschrieben mit Inhalt wie "Can't wait for thursday night! Vodka night, woop woop!" oder "Dreadin exam, but thurs night is what keeps me goin now!".
Und so rückte der besagt Donnerstag näher und das Ende der Klausurenphase mit ihm. Donnerstagmorgen saß ich dann brav 3h lang in dem Klausurraum und beantwortete Fragen zur Gynäkologie, um danach zu Hause ein Nickerchen von 4 Stunden länge zu halten, mich viel zu spät fertig zu machen (natürlich mit 2 Fläschchen Bier, eine wurde gar mit unter die Dusche genommen - it was epic!) und dann in einem viel zu kurzen Kleidchen mit einem viel zu dicken (Winter-)Mantel los zum pregaming zu gehen.
Dieser Mantel war allerdings von Nöten, da mein Kleid so kurz ist, dass es, wenn ich laufe, hochrutscht und ich es quasi als Top trage - also Augen und Mantel zu und durch! Immerhin trug ich meine wundervollen, gestreiften Strumpfhosen von h&m, um die ich hier immer beneidet werde - immerhin gibts hier in Galway kein h&m und daher bin ich die einzige, die sie hat!

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir waren so spät da, dass wir unsere alkoholischen Kaltgetränke im Eilflug zu uns nehmen mussten - was für mich hieß: ein gutes Drittel einer Flasche Wodka wollte innerhalb kürzester Zeit meine Kehle hinunter rinnen. 2 der anderen Mädels teilten eine Flasche Wodka - oh ja, wir hatten große Pläne für den Abend!
Es ging also auf in die Stadt dort in ein gewisses Pub. Und es gab mehr Wodka. Ich denke, auf meine halbe Flasche bin ich wohl gekommen, ich fühle mich, als müsste ich mal in einen Entzug gehen.

Inzwischen war ich - wie alle anderen irischen Mädchen, wirklich halbwegs nackt. Im bathroom hatte ich wohl zu elanvoll meine Strumpfhosen hochziehen wollen - sodass an einem Bein ein riesiger, horizontaler Riss an einem der Streifen entstanden war. Da es keinerlei Möglichkeit gab, diesen zu verstecken, musste ich kurzerhand die Strumpfhose in den Mülleimer entsorgen und hoffen, dass alle schon betrunken genug waren, um nicht zu bemerken, dass mein Kleidchen gerade mal so meinen Hintern bedeckte. Zum Glück mache ich den irischen Trend, keine Unterwäsche zu tragen, nicht mit!!

Ich glaube, ich habe mich schon vorher ziemlich peinlich verhalten. Ich habe dem, wie Gaia ihn nannte, golfspielenden, irischen Arzt in Spe schon SMS geschrieben gehabt, keine Antwort erhalten, worauf hin ich ihn allem Anschein nach mehr als einmal angerufen habe. Autsch! Mir wird schon ganz anders, wenn ich darüber nachdenke (und das ganze ist mir auch jetzt erst wieder eingefallen, ein paar Tage später!). Irgendwann, es war kurz vor Sperrstunde, lief ich ihm über den Weg.
Was ich gesagt habe? Nicht den leistesten Schimmer. Was er gesagt hat?
"I can't do this." Womit wir zu dem kommen, was viele von euch wohl schon gestern in Gaias Blogpost in Form meinen volltrunkenen SMS lesen konntet:
Er mag mich. Sagt er. Aber er "kann das nicht", was immer das heißt. Und er ist erst seit 4 Wochen von seiner Freundin getrennt. Und ich sei das erste Mädchen, mit dem er was hatte seitdem ("scored"). Was auch immer das nun für mich heißen mag, vielleicht soll ich mich geehrt fühlen. Aber ich habe es doch verstanden. Er mag mich, aber er will nicht nicht.
Nunja, ich war voll. Weshalb ich glaube, ihn mehr als einmal gefragt zu haben, ob er sich wirklich sicher sei, ich wäre ja wohl nur noch 5 Wochen hier und so. Die komplett verzweifelte Schiene halt, irgendwie. 

Aber okay, ich nahm es irgendwann hin - allem Anschein nach, denn irgendwann fand ich mich draußen wieder mit 2 Jungs aus meinem Kurs - meine Mädels waren alle längst nach Haus abgeschwirrt, weil sie zu betrunken waren. Einer dieser jungen Männer war N., der mir letztes Jahr mal eindeutige Angebote gemacht hatte, die ihr bei Bedarf hier nachlesen könnt. Und - was soll ich sagen? Als ich sagte, ich müsse jetzt dringend nach Hause gehen, sagte er (in etwa) folgendes: "Or you can come to my place and we can have sex." - was diesmal tatsächlich mit einem Auflachen und einem "No, thanks, I think I'm going home!" quittiert wurde.
So wurde mir ein Taxipartner gefunden, der nah wohnte - B.
Kaum saßen wir im Taxi, meinte ich allem Anschein nach, dem Golfspieler eine SMS schreiben zu müssen, dass ich "nicht auf der Suche nach der großen Liebe" sei und in 5 Wochen eh weg wäre - glücklicherweise hat er diese gnädig ignoriert.
B. hingegen fragte mich nun, ob ich nicht noch "auf ein Bier" mit zu ihm kommen wollte. Nein, ich wollte nicht. Wirklich nicht? Nein, ich muss ins Bett. Er wohne aber ganz nah. Na gut. So fand ich mich in seinem Haus wieder, obwohl ich eigentlich dringend schlafen wollte.
Meine Augen brannten von den Kontaktlinsen, ich war halbnackt und gerade eben böse abgeblitzt, also was zur Hölle mache ich im Haus eines halbwegs fremden Typen?! Richtig, ich trinke ein Glas Leitungswasser und falle dann halbwegs tot auf das Sofa und schlafe fast ein, während er fern sieht. ca 10min später reichte ich ihm mein Handy, damit er mir ein Taxi heim rief, dankte ihm für das Wasser und ließ mich heim kutschieren.
Wo ich im Bett noch eben die SMS an Gaia verfasste, die sie so sehr amüsierte, dass sie ihr einen Blogeintrag widmete.

So. Und nun stehe ich hier. Schäme mich für mein Verhalten am Donnerstag. Sage mir selbst, dass ich ja selber Schuld bin, weil ich ihn angerufen habe. Weil ich ihn vielleicht zu sehr angehimmelt habe. Weil ich seine Zeichen vielleicht missdeutet habe. 
Weil ich mich wie ein Teenager aufgeführt habe. Scheiße. Eigentlich dachte ich, das wäre so halbwegs okay für mich. Bis ich mich dann in meinem Bett wiederfand, heulend. Und auf einmal wusste, dass ich meine Niedergeschlagenheit nicht auf meinen baldigen Abschied aus Irland schieben konnte (wobei das schon seinen Teil beigetragen hat). Es war eine komplette "warum hat er mich nicht gern?"-Sache. Und den Abschnitt über ihn in diesem Post zu schreiben macht mir Bauchschmerzen.

Aber ich bin ratlos, was ich nun tun soll. Ich will ihn sehen. Ich will zumindest mit ihm normal umgehen. Aber ich weiß nicht, wie ich das jetzt noch anstellen soll. Aber er fehlt mir. Die sinnfreien und sinnvollen SMS-Konversationen, wenn ich mich gelangweilt habe. Und das schlafen können.

Ja, nun habe ich 5 Wochen als freie Erasmusstudentin. Das Problem ist - ich will sie nicht. Ich will ihn.


PS: Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass meine SMS nicht komplet auf englisch waren - das mache ich nachts auch ganz gern mal, wenn ich was getrunken habe. So gibts nur englische Begriffe und Abkürzungen ;)

1 Kommentar:

  1. Köstlich geschrieben!!! Ganz ehrlich, das hat mir grad den morgen versüßt ;)

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